Yoga - eine Lebenseinstellung für Stanisław Górski, einen 92-jährigen Yogi

Stanisław Górski, ein 92-jähriger Yogi aus Bieszczady, wacht mit den ersten Sonnenstrahlen auf. Er macht ein kurzes Aufwärmen und ... steht auf dem Kopf. „Yoga hat mir Kraft gegeben“, sagt sie. - Dank ihr habe ich nach 60 Jahren meines Lebens meine Träume wahr gemacht.

Jeder Tag von Herrn Stanisław beginnt gleich. Wachen Sie im Morgengrauen auf, gefolgt von den obligatorischen Asanas, also Yoga-Übungen. Währenddessen bereitet seine Frau ein leichtes Frühstück zu. Nach dem Essen geht jeder Ehepartner seinen eigenen Angelegenheiten nach. Sie beschweren sich nie über Langeweile.

Jadwiga sorgt für Ordnung im Haus und in der Garderobe ihres Mannes, sie stickt, häkelt und stickt wunderschön. Ihre Hände sind vom Rheuma verzerrt, aber sie hält die Nadel noch immer fest in den Fingern. Elegant und gepflegt kleidet sie sich mit Fantasie. Kokett präsentiert sie ihre handgemachten Mützen, breitet Pullover, Schals und mit bunten Blumenapplikationen verzierte Röcke auf der Couch aus.

Stanisław verbringt die meiste Zeit am Tisch. Er schreibt ein Buch oder schneidet Pappmodelle aus und baut sie zusammen.
- Erst nach 13 Uhr nehme ich Gäste an - betont er. - Aber ich versuche, sie so wenig wie möglich zu halten, am besten gar nicht. Früher habe ich Yoga unterrichtet und Menschen geheilt. Dafür habe ich jetzt keine Zeit. Und ich muss nicht mehr für mich werben. Im Moment werbe ich woanders, auch im Internet ganz oben ... Alles was ich den Leuten vermitteln konnte, habe ich in mein Buch "Polish Yogi" aufgenommen. Wenn jemand will, kann er daraus lernen.

Der Beginn des Abenteuers mit Yoga

„Ich wurde am 20. September 1913 geboren und bin gleich gestorben.“ So beginnt das Buch von Stanisław Górski, das neben praktischen Ratschlägen und konkreten Yoga-Übungen auch umfangreiche Auszüge aus der Biografie des Autors enthält.

- Ein Jahr nach meiner Geburt war ich klinisch tot - sagt Stanisław. - Mir hat es auf dieser Welt nicht gefallen und ich wollte zurück in den Himmel. Aber sie schickten mich zurück auf die Erde und sagten mir, ich solle bleiben. Ich war schwach, bucklig, meine Beine krumm. Meine Schulfreunde haben sich über mich lustig gemacht. Bis ich einen Inder traf, von dem ich Yoga lernte. Da war ich 10. Ich habe in Łomża gelebt.

Der Hindu wanderte durch die Höfe von Mietshäusern in Łomża. Er zeigte "Kunst" und Münzen fielen aus den Fenstern. Der faszinierte Junge verfolgte jede seiner Bewegungen, dann imitierte er, versteckt in Klettenblättern, die komplizierten Haltungen des Yogis.

Yoga hat in Zeiten der Armut geholfen

- Meine erste Audienz waren meine Freunde - erinnert sich Stanisław. - Später fing ich an, anderen meine Fähigkeiten zu zeigen. Ich folgte dem Indianer - er ging in einen Hof, ich in den anderen. Damit habe ich mein Brot verdient. Ich habe meinen Eltern geholfen, weil zu Hause Armut herrschte.

Vor dem Krieg bekam Stanisław Górski eine Anstellung im Lemberger Theater. Er war Akrobat und Clown. Er träumte davon, Menschen zu behandeln oder zu unterrichten, aber für Bildung fehlte ihm das Geld. Nach dem Krieg wurde er Kultur- und Bildungslehrer und ... unterrichtete Yoga.

- Die Kommunisten hatten nichts gegen körperliches Yoga, das sich nur auf Körperübungen beschränkte - Herr Stanisław erinnert sich gut an die damalige Atmosphäre. - Ich habe sogar ein spezielles Papier von ihnen bekommen, dass ich Yogalehrerin werden könnte. Ich selbst wußte nicht viel über die ganze Philosophie des Ostens. Erst später begann ich, Bücher zu lesen und die Geheimnisse des wahren spirituellen Yoga zu erforschen.

Wichtig

Yoga hat eine Tradition über 2000 v. Es stammt aus der hinduistischen Philosophie. Sein Schöpfer war der Mythologie zufolge der Gott Siwa, der für seine Frau Parvati individuelle Übungen (Asanas) erfand. Sie sollten eine Quelle des Wohlbefindens und der Schönheit sein. Das Wort „Yoga“ bedeutet im Sanskrit vereinen, verbinden – individuelles und kosmisches Bewusstsein integrieren.
Yoga ist ein System von Übungen, die Körper, Geist und Seele einbeziehen. Es umfasst Entspannungsmethoden, die zu innerer Ruhe führen, Atem- und Körperübungen.
Die westliche Version des Yoga beinhaltet hauptsächlich das Üben von Körperhaltungen (Hatha Yoga), Atemkontrolle sowie Konzentrations- und Meditationsübungen.

Yoga gibt dir Energie zum Handeln

Stanisław Górski lebt seit 50 Jahren in Ustrzyki Dolne, hat aber das Bieszczady-Gebirge für einige Zeit mehrmals verlassen. Es war, als er eine Anstellung in Sanatorien fand. Er arbeitete unter anderem in Moszna und in Podczel.

Ende der 1970er-Jahre gewann sein Leben an Schwung, da verwirklichte er seine Träume. Er legte die Prüfung zum Erholungslehrer mit Schwerpunkt Entspannungsübungen ab und legte mit 67 Jahren sein Abitur ab. Neun Jahre später schloss er in Oppeln mit einem Master in Pflege- und Erziehungspädagogik ab.

- Ich wurde auch als Bioenergotherapeut zertifiziert - fügt er stolz hinzu. - Und seit vielen Jahren habe ich Leuten geholfen. Es ist alles dank Yoga. Yoga setzt enormes Potenzial in einem Menschen frei, es schöpft Energie, die in den Himmeln schwebt. Ein Bioenergotherapeut nutzt diesen kosmischen Magnetismus nur zur Heilung. Wenn wir Yoga praktizieren, aktivieren wir verschiedene Fähigkeiten. Daher kann ein Yogi alles tun, er kann sogar eine Frau seiner Träume bekommen. So war es bei mir und Jadwiga.

Er lernte Jadwiga vor 19 Jahren in Sanok kennen. Er war damals ein 73-jähriger Witwer - sie war eine 66-jährige Witwe. Sie lernten sich bei einem Vortrag in einem Kulturzentrum kennen.

- Ich kam nur für einen Moment, um einen Freund zu treffen - erinnert sich die 85-jährige Jadwiga Górska. - Er war da und hat angefangen, Leute nach mir zu fragen. Dann kam er herüber und sagte: "Ich werde dich heiraten!" Ich war empört! Ich kannte ihn weder, noch wollte ich noch heiraten. Aber Stas, immer noch in der Tür, rief mir nach: „Das war kein Scherz! Ich werde dich wirklich heiraten!" Dann fing er an, meinen Freund zu besuchen, als er wusste, dass er mich dort treffen würde. Und er setzte sich durch... Unsere Hochzeit war eine Sensation für den ganzen Sanok!

Seitdem ist die Familie Górski unzertrennlich. Bald feiern sie ihren 20. Hochzeitstag. Sie verlassen Ustrzyki selten, weil Herr Stanisław das Reisen nicht gut verträgt und ungern ins Auto einsteigt. Einst wanderten sie gemeinsam auf den Bieszczady Almen, aber jetzt werden ihre gemeinsamen Spaziergänge immer kürzer.

Tagebuch aus Pappe geschnitten

Ein grauer Wohnblock in Ustrzyki Dolne, eine bescheidene Einzimmerwohnung. In der Ecke hinter dem Kleiderschrank stehen Kartons fast bis zur Decke. Was ist in ihnen? Herr Stanisław weicht der Antwort lange aus.
- Später. Ich werde es dir sagen, wenn es soweit ist - er lächelt geheimnisvoll. Immerhin kann seine Frau es nicht ertragen: - Das ist das ganze Leben von Stas! - erklären. - Aus meinen alten Kalendern und Pappe geschnitten. Szenen aus seiner Kindheit, Erlebnisse aus einem Kriegsgefangenenlager in Deutschland, aber auch biblische Geschichten und dergleichen ... Er sitzt noch immer hier am Tisch und schneidet. Und er verwendet kaum Klebstoff, also fügt er alles geschickt zusammen.

- So meditiere ich - erklärt der Alte und öffnet weitere Kisten. Wir sehen: eine Weihnachtskrippe, Auferstehung, einen grünen Wald mit Partisanen. Es gibt auch eine Pyramide mit einer Sphinx: "Der Mensch, die Welt und der Kosmos sind eins", heißt es in der Inschrift unten. - Einige Werke gehen nach Krakau, ins Museum der Heimatarmee - rühmt sich Stanisław.

Währenddessen beginnt Frau Jadwiga mit der Präsentation ihrer täglichen Gymnastik. Sie praktiziert seit sie die Frau eines Yogis ist.

- Das habe ich ihr beigebracht - betont Herr Górski. - Aber jetzt wählt sie die Übungen selbst aus. Einmal trat sogar meine Frau im Fernsehen in Warschau auf.

- Das war vor zehn Jahren - erklärt Jadwiga. - Ich war damals jung, ich war 75, ich habe noch einen Stehkragen und einen Lotus gemacht. Heute habe ich Angst. Meine Knochen sind schwach und auch meine Gelenke sind ein Problem, aber ohne Yoga würde ich jetzt im Rollstuhl sitzen.
Sie hatte mehrmals einen Meniskus, ihr Bein wurde gipsiert, dann ging sie zwei Jahre lang auf Krücken. „Ich habe mich mit Brennesselkompressen geheilt“, sagt sie und krümmt meinen Rücken in den Rücken einer Katze.

Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne strömen durch das Fenster. Herr Stanisław versteckt seine Pappschätze. Seine Frau stellt grüne Teegläser auf den Tisch und bietet Sandwiches an.

"Mein Rezept für Langlebigkeit? ...", sinniert der 92-jährige Yogi. - Sie müssen gesund sein. Und dafür brauchen Sie frische Luft, Bewegung und eine den klimatischen Bedingungen angepasste Ernährung. Wir essen alles, aber im Sommer hauptsächlich Obst und Gemüse und im Winter etwas mehr Fleisch. Das Fleisch sollte jung und frisch sein, und Gemüse nur solche, die in der Sonne, über dem Boden, angebaut werden. Auch sollte man richtig atmen – also normalerweise, ganz normal, nicht in vier Phasen, wie manche Yogalehrer sagen. Ausschlafen, in Stille leben, sich Zeit lassen, kein Geld jagen ... Ein friedliches Leben - das ist Yoga!

Jeder kann ein Yogi sein

- Körperübungen sind der Anfang des Weges, dann musst du deinen Geist trainieren - erklärt Stanisław. - Der Meister muss sich nicht einmal mehr viel bewegen, denn er macht nur noch Yoga. Jeder Mensch ist ein bisschen Yogi. Vor allem, wenn er schläft. Schlaf ist so ein göttliches Leben ... Der Atem ist dann flacher, ruhig. Die Seele fliegt in den Himmel und das Erwachen ist eine Auferstehung.

Yogis wachen jeden Tag auf und sterben. Und sie meditieren den ganzen Tag. Die Leute fragen mich oft, was das bedeutet. Meditation ist Gebet. Aber nicht die Art, die in der Kirche gesagt wird. Es ist Konzentration, Ruhe, ein Geisteszustand. Ich meditiere immer noch so. Mein ganzes Leben ist Gebet. Ich schreibe darüber in dem Buch, an dem ich gerade arbeite. Ich schreibe auch darüber, was "auf der anderen Seite" ist. Yogis sind da und sie wissen es. Und ich bin ein Yogi.

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